Kindersportschule (KiSS) - neue Wege im Selber Sport

Kommunalpolitik

Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka und Stadtrat Roland Graf bedankten sich bei Tina Bußler mit einem Blumenstrauß.

Ein interessantes und spannendes Thema hatte der SPD-Vorstand für den jüngsten „Roten Stammtisch“- Abend gewählt: die Kindersportschule, kurz KiSS. Ein wegweisendes Projekt an dem viele Kinder, Schulen, Kindergärten und Sportvereine partizipieren können. Fraktionsvorsitzender Walter Wejmelka begrüßte dazu Tina Bußler, Projektleiterin der Turnerschaft Selb, und den TS-Vorsitzenden Werner Kraus.

Die Gäste stellten nach den kurzweiligen Referaten fest, dass KiSS die Unterstützung der Selber verdient. Zunächst hob Wejmelka den Wert der Sportvereine für die Gesellschaft hervor. Allerdings gehe der demografische Wandel auch an den Vereinen nicht vorbei. Das sei umso bedauerlicher, als beispielsweise die Sportvereine einen wichtigen Beitrag zur Integration leisteten. Als prominentestes Beispiel für Integration durch Sport führte er den Fußballspieler Hasan Salihamidžić an, der einst als Flüchtling nach Deutschland kam.

 

Wejmelka schilderte den Wandel innerhalb der Vereinslandschaft – früher hätten die Mitglieder auch die Geselligkeit in den Vereinen mehr gepflegt. Bedingt durch veränderte Arbeitszeiten und Lebensmodelle habe sich das Sporttreiben immer weiter individualisiert und das gemeinschaftliche Moment in der Gruppe reduziere sich oft auf das gemeinsame Training und den Wettkampf. Selb bezeichnete er als Sportstadt, die nicht zuletzt durch eine Reihe städtischer Einrichtungen einer Vielzahl von Sportarten Platz biete. Diese Einrichtungen gelte es auch in Zeiten leerer Kassen sinnvoll zu erhalten, so plädierte er bei den anstehenden Maßnahmen an der Eishalle für eine Nutzung bestehender Räumlichkeiten, anstatt von „Luftschlössern“ zu träumen.

 

Schwierig sei es in haushaltslosen Zeiten für die Stadt, der sicherlich von allen politischen Kräften gewollten Sportförderung nachzukommen. Fördergelder für die Vereine oder Investitionszuschüsse seien freiwillige Leistungen im Sinne des Haushaltsrechts, und somit in diesen Zeiten nicht möglich. Das sollten sich all diejenigen vor Augen halten, die eine haushaltslose Zeit schon fast bagatellisierten. Spätestens da sei auch wieder der Bogen zum sogenannte Nordbayernplan der Staatsregierung gespannt und man könne nur mit dem Kopf schütteln, wie man in München die Not im Fichtelgebirge derart gekonnt übersehen könne. Umso wichtiger, dass Ehrenamtliche auch in den Sportvereinen einen großen Dienst an der Gesellschaft leisten. Aber die Vereine sind auch gefordert, nach neuen Wegen Ausschau zu halten, so wie es die Turnerschaft mit der Kindersportschule versuche.

 

Tina Bußler stellte das KiSS-Projekt vor, das vom Bayerischen Landessportverband (BLSV) an circa 50 Orten im Freistaat initiiert wurde und für das die TS Selb die Trägerschaft übernommen habe. Die Sportschule orientiere sich am Schuljahr und biete Kindern bis zum Ende des Grundschulalters die Möglichkeit, sich spielerisch sportlich zu betätigen. Dabei sollen die Kinder nicht nur körperlich gefordert werden, sondern auch soziale Fähigkeiten erlernen, von der Teamarbeit bis zur Gewaltprävention. Die Teilnahme kostet für Nicht-TS-Mitglieder nur 26,50 Euro im Monat, das zweite Kind zahlt die Hälfte und das dritte kann gratis teilnehmen. Für Interessierte gibt es auch Fördermöglichkeiten aus dem Bildungspaket – so solle gewährleistet werden, dass jeder mitmachen kann. Tina Bußler und ihre Mitstreiter würden auch gerne bei der Antragstellung helfen. Inzwischen gebe es auch so viele Anfragen aus umliegenden Orten – selbst aus Tschechien-, dass es Überlegungen gibt, KiSS-Stunden auch außerhalb anzubieten; das setze aber noch mehr Interesse voraus. Es gebe bereits Kooperationen mit verschiedenen Kinderhäusern, aber auch mit Unternehmen, die das Projekt finanziell unterstützen. Langfristig könne sich Tina Bußler lokale Bewegungs- und Sportnetzwerke vorstellen. Es gebe bereits Modelle, in denen mehrere Sportvereine die KiSS am Ort tragen. Auch sei denkbar, neben der Kindersportschule etwa Angebote für Senioren und andere Gruppen zu schaffen.

 

Werner Kraus lobte zwar das Projekt, räumte aber ein, dass es immer schwieriger werde für die Vereinsarbeit genug Ehrenamtliche zu finden, die sich einbrächten. Abhilfe könnte zum Beispiel schaffen, wenn die freiwillige Arbeit stärker honoriert würde. Was die Fördermöglichkeiten für KiSS angehe, schwebe ihm eine Zusammenarbeit mit tschechischen Organisationen vor, um eventuell EU-Mittel beantragen zu können. Womöglich könne man auch die Oberfrankenstiftung oder „Aktion Mensch“ ins Boot holen. Auch auf die TS komme in den nächsten Monaten durch Renovierungs- und Umbaumaßnahmen in der Jahnturnhalle und deren Gaststätte noch allerhand zu.

 

Walter Wejmelka wünschte schließlich im Namen der Selber SPD der Turnerschaft für KiSS viel Erfolg. Er fasste zusammen, dass alle Vereine davon profitieren könnten, weil dort der Nachwuchs schon früh auf verschiedene Sportarten vorbereitet werde. Das sichere die Leistungsträger von Morgen, die es in Selb durchaus gebe, was man beispielsweise an der Handballmannschaft sehe, der er nach dem Aufstieg in die Landesliga für die demnächst beginnende Saison viel Erfolg wünschte.